Mittwoch, 12. April 2006

Grundsätzliches nach einer alkoholunterstützten Karthasis

Viel hat sich zusammengestaut in den letzen Tagen. Zum Einen die „Kritiker“, die bei ink ihr komisches Spiel treiben, zum Anderen eine einzige gute Rückmeldung, die direkt und nicht im Web gegeben wurde. Dann noch die Vorbereitungen für eine große Sache im Herbst und das aufkeimen eines längst totgeglaubten Gefühls...


Wirkliche Gründe warum ich diesen Blog hier gestartet habe, gab es eigentlich nicht. Ich dachte mir einfach, dass es ja ganz spannend sein kann, meine Gedanken hin und wieder zu ordnen, niederzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen. Was die Konsequenzen daraus sein werden, war mir nicht klar aber das war mir auch nicht wirklich wichtig.

Jetzt aber hat die Zeit gezeigt, dass sehr viele (eigentlich die meisten) Rückmeldungen in den Comments darauf zurückzuführen sind, dass mich die Leute dahinter ganz einfach nur denunzieren und mich als Freak, Spinner oder was auch immer hinstellen wollen. Das ist im Grunde zwar scheiße aber dagegen kann ich nichts machen. Ich weiß nicht wer diese Leute sind, ich weiß nicht warum es ihnen Spaß macht das zu tun und deshalb macht es keinen Sinn über diese Personen konkret nachzudenken.

Was aber Sinn macht ist, darüber nachzudenken wer meinen Blog liest, warum er/sie ihn liest und ob ich mich gegenüber den wenigen Postern, die nur unbegründete, persönliche, niveaulose Scheiße von sich geben überhaupt verteidigen soll. Denn ich gehe davon aus, dass die meisten meinen Blog eben lesen aber danach einfach zur nächsten Seite zu surfen oder von mir aus auf der ink-Seite bleiben aber nicht auf meinem Blog und sich auch nicht wirklich Gedanken darüber machen. Und damit habe ich auch kein Problem, denn ich kann von niemandem verlangen zu den jeweiligen Geschichten etwas posten zu müssen aber warum sollten diese auf den Blog verzichten, nur weil ein paar Wenige es nicht besser wissen und sich nur aufregen können? (Dass es niemandem weh tun würde, wenn er meinen Blog nicht liest, weil es ihn einfach nicht mehr gibt, ist mir schon klar und dass es auch nicht viele sind, die das hier lesen weiß ich auch aber wir sind ja beim Grundsätzlichen.)

Wieso also weitermachen, wenn ich meist keine Rückmeldungen kriege und wenn dann solche auf die ich verzichten könnte? Wieso?

1. Ist es einfach eine gute Möglichkeit um Sachen (wenigstens im kleinen Rahmen) zu verbreiten, die einem wichtig sind.
2. Habe ich ganz persönlich einen Ansporn, mich wenigstens hin und wieder hinter die Tastatur zu zwingen und so manches in einen gewissen Kontext zu meinem eigenen Leben zu sellen, was ich vielleicht nur durch nachdenken und darüber reden nicht gekonnt hätte.
3. Gibt es auch positive Sachen die dadurch geschehen wie zB.

Am Samstag waren mein Kollege und ich ja wieder im F&M hinter dem Mischpult zugange. Und ungefähr eine Stunde vor Ende hat mich jemand angesprochen, der meinen Blog auch liest und den ich bis jetzt nicht gekannt habe. In diesem Gespräch kam schließlich raus, dass er überhaupt nicht meiner Meinung war was die neue Tomte und „Walk the Line“ betrifft. Wir hatten also ein langes Gespräch darüber und er hat mir seine Sicht erklärt und ich ihm meine (was zugegeben aufgrund des Alkoholspiegels wahrscheinlich nicht mehr allzu leicht zu verstehen war). Und darum gehts: Diskurs ermöglichen und anregen. Vielleicht nicht hier im Internet aber wenigstens sehr spät Abends bei einer Auflegerei. Dieses Argument ist mir zwar jetzt erst richtig bewusst geworden aber es ist wohl das zwingendste:

Eine Meinung haben, diese öffentlich zugänglich machen und bereit zum Diskurs sein. Einen Beitrag zur Gesprächs- und Streitkultur leisten. Dass das nicht immer funktioniert und leider durch Wastln, die das Wort Kultur in Streitkultur einfach streichen, gestört wird macht nichts. Es darf das Ganze nicht stören. Ja muss vielleicht gerade deswegen weiterbetrieben werden. Aus Trotz und auch aus dem Gefühl heraus, dass es trotz alledem keine schlechte Sache ist.

(OK, das Gespräch schlitterte dann in eine hitzige Diskussion, warum denn der Trent Reznor jetzt besser ist als der Thees Uhlmann oder umgekehrt, ab aber das macht ja auch nichts.)

Und genau diese Überlegungen mischen sich im Moment mit der Aufgabe, meine eigene Motivationslosigkeit zu überwinden und eine Sache anzugehen, die hoffentlich Perspektive liefert. Für welche viel gelernt werden muss und für welche ich Energie brauche, die ich nicht damit vergeuden will, an mir selbst Hand anzulegen (ad Herr Gosh) und mit einem Gefühl, dass ich schon vor gut einem Jahr totgedacht habe aber jetzt wieder an brennzlicher Aktualität gewinnt...

Aber dazu vielleicht irgendwann mal mehr.

PS. An den Gesprächspartner vom Samstag:
"Bei mir ist heile Haut, wo eine Wunde war.
Es gibt Aufgaben die zu erfüllen wären..." :)

Bernd Schmidl | Pop | Kultur | Blog

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